Aufstieg!!! - Olympia vor 30 Jahren

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05. April, 2021 Thomas Schmitt Mitteilungen 225

Ja, es war tatsächlich vollbracht, damals im April 1991!

Nach einigen Jahren des Rumdümpelns in der 2.Bezirksliga, teilweise sogar mit Abstiegssorgen, brachte die Saison 90/91 die erhoffte Wende für die Olympianer. Kämpften Rolf Metternich, Wolfgang Fohrn, Thomas Schmitt, H.W. Metternich, Markus Bomm und Stefan Schanne im Jahr zuvor noch erfolgreich gegen den Abstieg, so war es im Jahr der deutschen Wiedervereinigung auch bei Olympia soweit: Wir durften uns über die Rückkehr von Gert Metternich in die heimischen Gefilde am Schartwiesenweg freuen! Der Kerl kam vom TTC Mülheim aus der Rheinland-Pfalz-Liga wieder zum TTC Olympia zurück und wurde wieder eins mit seiner Familie und seinen Kumpels.

So gingen wir in die legendäre Saison, in der damals übrigens von 2 Eingangsdoppeln und 2 Schlussdoppeln auf die noch heute gültige Version umgestellt wurde, in folgender Aufstellung, die von den gegnerischen Spielführern geradezu heruntergerasselt wurde: Metternich, Metternich, Metternich, Schmitt, Schanne, Bomm.

Bereits das 1.Spiel der Saison führte uns in die Jahnhölle nach Müllem. Dort musste Gert also direkt gegen seinen alten Verein antreten, allerdings gegen Mannschaft Nummer 4 und nicht gegen die Erste. Das sollte doch kein Problem sein....

Seine Gegner vorne hießen Simons und Linden. "General" Simons war seinerzeit nicht gerade als Spieler des vorderen Paarkreuzes in dieser Klasse bekannt und mit Sicherheit zufrieden, wenn er Im Laufe der Runde ein paar wenige Spiele gewinnen würde. 'Gefürchteter war er eher im Doppel mit seinem Partner Staufenbiel, welcher jeden Ball um die Ecke spielen konnte. Simons hingegen war bekannt für sein äußerst geradliniges Spiel. Auf alle Fälle wollte es unser Gert im ersten Spiel wohl zu gut machen, und verlor gegen Simons, welcher seinen Erfolg kaum fassen konnte. Im 2.Einzel machte Gert es dann besser, obwohl Kollege Linden früher auch einmal in Müllems Erster zugange war. Insgesamt siegten wir mit 9-4 und freuten uns über den gelungenen Saisonauftakt. Außerdem konnten wir Gert noch den ganzen Abend auf den Arm nehmen, das trug zur Stimmung bei.

Im ersten Heimspiel ging es dann gegen Vallendar, wo unser Neueinkauf dann total versagte. Sowohl gegen Frank Oster als auch gegen Nußbaum war er unterlegen und wir verloren das gesamte Match mit 7-9. Das war ein richtiger Dämpfer, aber zur rechten Zeit: Ab diesem Zeitpunkt verlor Gert kein einziges Einzel mehr in der gesamten Saison, er hatte seine Lektion gelernt.

Gegen Mitte der Hinrunde kam dann der Tabellenführer Horchheim 2 ins Olympiastadion. Reichlich übermotivierte Olympianer kassierten gegen die Herren Gräf, Lothar Zehe, Weckop, Hörster, Landau und Hollender ein krachendes 3-9. Die Saison schien damit schon fast gelaufen, denn sicherer Aufsteiger war nur der Staffelsieger. Alle paar Jahre einmal erhielt der Zweite in einem Relegationsspiel noch eine Aufstiegschance.

Doch da waren ja noch die Eicher! Diese schlugen kurz darauf vor unseren Augen die Horchheimer und waren nun selbst Tabellenführer. Nur eine Woche später schickten wir dann die Eicher mit einer 9-4 Packung aus dem Olympiastadion und waren nun wieder dran. Nach der Hinrunde Horchheim vor Eich mit jeweils 2 Minuspunkten und Olympia auf Platz 3 mit 4 Minuspunkten.

Der Rückrundenauftakt führte uns nach Vallendar und dort revanchierten wir uns für die Hinrundenpleite mit einem klaren 9-3. Es folgte ein beispielloser olympischer Zug durch das Vallerer Nachtleben, welcher im Hause Schmitt sein finale furioso fand.

Spätestens ab diesem Zeitpunkt trauten wir uns auch wieder die Meisterschaft zu und wenige Wochen später kam es zum Showdown in Horchheim. Das war übrigens das einzige Mal in meiner Olympiakarriere, dass ich unsere 1.Vorsitzende, Kläre Metternich, bei einem Auswärtsspiel erleben durfte. Es war bestimmt nicht einfach für sie, da sie es ja in unserer Halle gewohnt war, die Akteure an Platte 1 gehörig mit Tabakqualm einzunebeln. Die gesamte Erste machte bei diesem Unterfangen damals übrigens noch mit, was so manch gegnerischen Spieler gehörig aus der Fassung brachte. Den riesigen Aschenbecher, den sie dabei stets neben sich platziert hatte, werde ich auch nie vergessen...Nun ja, in Horchheim war nichts mit Rauchen in der Halle und wir spielten dazu auch noch stundenlang. Es war ein unglaublicher Krimi, nicht zu vergleichen mit dem Hinspiel. Unser Gert spielte wieder herausragend und coachte auch noch den Rest der Truppe. Das unvorhersehbare Kuriosum des Abends wurde allerdings die Partie Landau gegen Schmitt. Der Spieler Landau verfügte über eine einzigartige Schlägerhaltung, die ihm das Spielen ganz abstruser Bälle ermöglichte. Ich kam damit überhaupt nicht zurecht und war klar auf der Verliererstraße. Aus dem Zufall bzw der Not heraus spielte ich dann einmal einen sehr hohen Ball auf des Gegners Seite. Und siehe da: damit konnte er aufgrund seiner Schlägerhaltung überhaupt nichts anfangen. Dies hatte dann zur Folge, dass ich schon beim Rückschlag versuchte meterhohe Bälle zurückzuspielen, was zu kuriosen Szenen und Ballwechseln führte. Zwischendurch wurden sogar Stimmen laut, welche mir Unsportlichkeit vorwarfen. Das sah ich etwas anders, und das Ganze war nach dem Spiel dann auch schnell vergessen, vor allem auch deshalb, weil sich die Horchheimer am Ende mit 9-7 durchsetzten.

Damit war für uns der Meisterschaftszug abgefahren, aber wenigstens Zweiter wollten wir noch werden. In Eich stellten wir die Doppel um, unser stärkstes Doppel, nämlich Rolf und Gert wurde auf Doppel 2 gestellt und musste damit gegen die eigentlich unbezwingbaren Stockdreher/Stein ran. Die Strategie griff, wir gingen mit 3-0 aus den Doppeln und bezwangen die Herren Stockdreher K, Stein, Lüscher, Stockdreher A und -so glaube ich- Meister und Ney mit 9-5 in eigener Halle.

Als die Eicher dann überraschend hoch mit 3-9 in Horchheim unterlagen und ihre Saison damit abgeschlossen hatten, ergab sich eine für uns fast unlösbare Konstellation: wir mussten unser letztes Spiel beim Tabellenvierten in Bendorf mit 9-1 gewinnen, um Punkt- und Spielgleichheit mit Eich zu erzielen. Der direkte Vergleich gegen Eich würde uns dann Platz 2 bescheren.

Die Bendorfer Truppe war damals von vielen nicht gerade gut gelitten, es kam beim Spiel doch öfter zu Meinungsverschiedenheiten. Auch war sie mit Sicherheit eine der ältesten Truppen Deutschlands oberhalb der Kreisliga, brachte also haufenweise Erfahrung mit. Wir wollten alles probieren, stellten Rolf und Gert wieder auf Doppel 2 und kamen topfit zum Spiel, was in dieser Zeit nicht unbedingt immer unsere große Stärke war. Die Doppelrechnung ging auf, wir führten 3-0. Dann kam schon ein ganz entscheidendes Match, Rolf gegen den Bendorfer Spitzenspieler Glock. Letzterer war jahrelang einer der besten Spieler der Verbandsliga und in Tischtenniskreisen bekannt wie ein bunter Hund, nicht zuletzt deshalb, weil er in den Satzpausen und oft auch während des Satzes seinen Kamm mitsamt Haarspray auspackte, um sein Haar wieder von ganz rechts nach ganz links über den blanken Scheitel zu legen bzw zu befestigen. Dabei hinterließ er eine nicht unbedeutende Gaswolke am Tisch. Abgesehen von dieser Eigenart war er ein großartiger Tischtennisspieler und wir rechneten Rolf eigentlich keine Chance gegen diesen Mann aus. Aber unser Rolf ballerte mit der Rückhand durch die Gegend, dass es eine wahre Wonne war, zeigte zum rechten Zeitpunkt seine beste Saisonleistung und brachte uns mit 4-0 in Front. Auch die nächsten Spiele gingen bis zum 8-0 an uns, sowohl Schiffer, Seimetz und auch Ley mussten unseren Recken gratulieren. Dann kam ich an die Reihe gegen einen jugendlichen Ersatzspieler....ich versagte vollkommen, aber unser Gert bezwang Glock ebenfalls und wir hatten tatsächlich die 9-1 Punktlandung geschafft!

Alles kam dann wenige Tage später noch viel besser. als bekannt wurde, dass wir ein Relegationsspiel gegen Torney 2 machen dürfen. Wir trainierten wie wild, um wiederum wenige Tage später zu erfahren, dass Torney nicht zum Spiel antreten wird und uns den Aufstieg schenkt. Ein Sieg im Relegationsspiel wäre zwar schöner gewesen, aber wir freuten uns auch so über den Wiederaufstieg Olympias in die 1.Bezirksliga, damals im April vor 30 Jahren..............

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